Lendenwärmer, Rauchnächte und Tradition: Das österreichische Ausseer Land im mystischen Winterkleid

 

Das Ausseer Land ist eine der Regionen, in der die österreichische Kultur, die Tradition und der Stolz dort heimisch zu sein, ganz deutlich spürbar werden. Voriges Jahr war ich zu Gast in diesem Stück Steiermark, das so nahe an meiner Heimat Oberösterreich liegt, dass ich mir wünschte, die Landesgrenze hätte doch etwas anders verlaufen können. Dort, wo im Frühjahr der Narzissenpracht gehuldigt wird, wo die Schlager- und Volksmusik der "Seer" zum Kulturgut gehört und sich niemand dafür geniert, im Winter einen schafwollenen Lendenwärmer unterm Hemd zu tragen.

 

 

Aussee ist anders und auf seine Art irgendwie speziell, besonders in der kühlen Jahreszeit. Am Grundlsee, unserem Kurztrip-Urlaubsort, herrscht zu diesem Zeitpunkt zwar Beschaulichkeit, aber die Parkautomaten entlang des Sees verraten, dass es hier in der Hochsaison wohl doch auch rundgeht in Sachen Menschenandrang und Tourismus. Die Wasseroberfläche liegt vor uns wie ein glatter Spiegel, rundherum ist noch alles grün, nur die oberen Wälder und die Berge sind schon schneeweiß. Grauer Himmel, Nieselregen. Einzig das gegenüberliegenden weiß strahlende Schloss Casteglioni durchbricht diese, ruhige winterliche Melancholie. Vom Grundlsee aus kommt man nicht mehr recht weit, alle Straßen enden hier und der geschichtenumwobene Toplitzsee hat gleich angrenzend seinen Platz inmitten stiller Natur gefunden. Das Holz dominiert die Bauweise der Häuser, die irgendwie nach Kaiserzeit aussehen, auch in unserem Hotel hat es auf vielseitige Weise Einsatz gefunden - es prasselt sogar im Ofen an der Rezeption. Dazu kredenzt uns der 4-Sterne-Gastgeber regionalen Fisch und lecker zubereitetes Gamsfleisch.

 

Ein Dirndl ist nicht mehr abwegig

 

Im nächstgelegenen Bad Aussee begegnen wir am nächsten Morgen elegant gekleideten Damen und Herren im modisch trachtigen Look. Nirgendwo werden Karohemd, Hut, Lodenjanker und bockige Stiefel so selbstbewusst getragen wie hier. In den Auslagen finden sich bäuerliche Antiquitäten nebst Polster- und Stoffwaren mit Hirschmotiven, die berühmten Salzprodukte und allerlei Wärmendes aus Schafwolle. Die Winter dürften doch auch streng sein. Die Schneestecken an den Straßenrändern ragen höher als bei uns zuhause und Buchspflanzen und kleine Thujen bekommen ein Spitzdach aus Holzbrettern übergestülpt. Und während ich einen kleinen Folder zu einem Vortrag über richtiges Räuchern in den "Ausseer Rauchnächten" studiere, denke ich: "Ein Dirndl habe ich bisher als überflüssig angesehen, aber wenn ich hier öfter Zeit verbringen würde, ich würde mir eins zulegen." Und einen Janker. Und bockige Stiefel.

 

Wir verabschieden uns von diesem Landstrich und dem Grundlsee, indem wir nach dem Saunagang die Holztreppe in den sechs Grad kalten See hinuntersteigen und uns schnelle Abkühlung verschaffen. Von der Ruheliege aus blicken wir durch die vor uns liegende große Glasfront noch ein letztes Mal auf die dunkle, mystisch wirkende Wasseroberfläche ...

 

Meine Freundin Gertraud gab mir damals den Tipp, an den Grundlsee zu fahren. Ich freue mich immer wieder über Empfehlungen von anderen. Daher: Nicht scheuen, im Freundeskreis nach geeigneten Hotels, Orten, Zielen nachzufragen!

 

 

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