Manchmal reicht ein einziges Foto nicht aus, um das Gefühl eines Moments wirklich sichtbar zu machen. Vielleicht kennst du das: Du siehst etwas Wunderschönes, drückst ab – und später fehlt dem Bild plötzlich die Tiefe, die Stimmung, der Zauber.
Die Methode Gestalt–Information–Emotion schafft genau hier Abhilfe. Mit nur drei Motiven lässt sich ein Thema so erzählen, dass Betrachter:innen hineinspüren können, was du erlebt hast. Es ist eine einfache, aber unglaublich starke Technik – für Einsteiger ebenso geeignet wie für erfahrene Fotograf:innen.
Darum geht's in diesem Beitrag:
- Was steckt hinter der Methode?
- Der Unterschied zu einem Triptychon
- Die drei fotografischen Schritte
- Ein Beispiel aus der Reisefotografie
- Fazit
Gestalt–Information–Emotion: Eine einfache Methode für mehr Bildwirkung
Anhand der drei Begriffe GESTALT, INFORMATION, EMOTION kannst du eine fotografisches Thema oder eine Szene in drei Schritten abarbeiten. Sie eignet sich für viele Fotothemen, wie z. B.
Reise, People, Street, Natur.
Dabei geht es immer um drei einzelne Motive, die fotografiert und dann als Gruppierung arrangiert bzw. dargestellt werden.
Die Methode lässt sich sofort, noch beim Fotografieren umsetzen, aber auch im Nachhinein bei der Zusammenstellung von Bildern anwenden.
Wichtig ist, dass sie thematisch zusammenpassen bzw. einen roten Faden erkennen lassen, dann funktioniert eine Kombination recht gut. Auch farbliche Harmonie oder gleiche Lichtverhältnisse können die Bildaussage intensivieren.
Gestalt–Information–Emotion vs. Triptychon: Wo liegt der entscheidende Unterschied?
Wenn du dich bereits mit künstlerischen Begriffen auseinandergesetzt hast, dann wird dir der Begriff Triptychon etwas sagen (aus dem Altgriechischen: in drei Teile gefaltet; aus drei Lagen bestehend).
Der größte Unterschied ist: Drei Bilder können beim Triptychon beliebig verbunden sein (Thema, Zeit, Variation) und es zielt darauf ab, eine Bildserie als Einheit zu präsentieren. Die Darstellung erfolgt meist mit drei Motiven oder Kunstwerken nebeneinander.
GESTALT-INFORMATION-EMOTION definiert sich über Wirkung und bewusste Gestaltung, die Kunstform Triptychon über Zusammenhänge, Rhythmus oder Einheit.
Die 3 Schritte zu wirkungsvolleren Fotos: Gestalt, Information und Emotion
Die GESTALT zeigt das große Ganze. Das kann z. B. eine Weitwinkelaufnahme sein oder ein Motiv, das einen Überblick bietet worum es geht und dem Betrachter das Thema gut vermittelt, in das er visuell gerade eintaucht.
Die INFORMATION geht etwas tiefer und liefert eine Zusatzinformation, die zur Szene und Stimmung passt. Dieses Motiv bietet dem Betrachter einen zusätzlichen Hinweis, worum es geht und was passiert.
Die EMOTION zoomt etwas näher heran, liefert ein Detail, welches das Motiv mit Emotionen auflädt. Oft passt dazu eine Nahaufnahme. Es geht um Berührendes, Überraschendes, Spannendes oder etwas, das vielleicht noch eine Frage aufwirft.
Am Beispiel eines Motivs aus der People-Fotografie könnte das so aussehen:
Bild 1, GESTALT: Eine Person in der Landschaft stehend, neben einem blühenden Baum.
Bild 2, INFORMATION: Blüten, die am Boden liegen oder Blütenäste, die in den Himmel ragen.
Bild 3, EMOTION: Nahaufnahme der Hand der porträtierten Person, wie sie nach einem Blütenbüschel greift.
Am Beispiel eines Motivs aus der Landschaftsfotografie z. B. so:
Bild 1, GESTALT: Eine schroffe Felsenlandschaft am Meer
Bild 2, INFORMATION: Aufnahme von Wellen und Sand
Bild 3, EMOTION: Nahaufnahme einer an Land gespülten Muschel oder Spuren im Sand
Bekommst du schon ein Gefühl dafür, was die Methode ausdrücken soll? Es geht darum, den Betrachter visuell in das Erlebte und Wahrgenommene eintauchen zu lassen.
Was mir mitunter dabei hilft, ist, mir Folgendes vorzustellen:
Wie würde die Szene gefilmt oder fotografiert werden, wenn daraus ein Werbesujet oder Werbespot entstehen sollte? Ich versetze mich in die Lage eines Drehbuchautors oder Regisseurs
und führe mir dabei bildlich einzelne Takes oder Sequenzen vor Augen.
Ein Beispiel aus der Reisefotografie
Auf Reisen kannst du versuchen, mit drei Fotos einen bestimmten Platz oder Landstrich atmosphärisch darzustellen, das dem Betrachter vermittelt, wie es dort aussieht oder was du beim Ablichten gefühlt hast.
Bei der unten gewählten Zusammenstellung ging es um Weite, aber auch um das Thema Sand und das Einswerden der Menschheit mit den Naturkräften.
Das obige Bild visualisiert, wie klein wir Menschen in der Natur sind (GESTALT). Links unten kommt das Thema Sand und Weite nochmals genauer ins Spiel (INFORMATION) und das Bild rechts unten bringt mit dem Dünenwanderer die Emotion ins Spiel, lässt vielleicht noch etwas offen oder unbeantwortet (EMOTION).
Diese Kombination aus drei Fotos habe ich erst im Nachhinein arrangiert, also nicht direkt in der Fotosituation vor Ort mitgedacht. Sie passen aber thematisch und farblich zusammen.
Ein Tipp: Achte einmal bewusst auf die Kameraführung und Bildeinblendung in Reisedokumentationen. Wie fangen die Macher solcher Sendungen einen Landstrich ein?
Das Beste ist aber:
Du musst dafür gar nicht auf Reisen gehen. Fang einfach in deinem Ort oder deiner Stadt damit an!
Deine Dreier-Kombination kannst du als Collage zusammenstellen mit einem Programm deiner Wahl, in ein Fotobuch einfließen lassen, als Wandbild-Serie drucken oder in einem Social-Media-Kanal deiner Wahl zeigen.
Fazit: Wirkung kann gezielt gesteuert werden
Wer seine Wahrnehmung und seine Fotoauge trainieren möchte, kann diese Methode für viele Bereiche anwenden. Es braucht dafür weder eine spezielle Kamera noch viel Erfahrung im Bereich Fotografie oder ungewöhnliche Foto-Locations.
Hinzu kommt: Minimalismus ist in unserer Gesellschaft salonfähig geworden, warum nicht auch in der Fotografie?
Anstatt immer mehr Motive anzuhäufen, hilft die Methode auch dabei, die Bilderflut einzudämmen. Es reichen drei Motive, um dich selbst und den Betrachter an das Gesehene und Erlebte heranzuführen
und zu berühren.
Die Methode „Gestalt–Information–Emotion“ hilft dabei, Fotos bewusster zu gestalten und ihre Wirkung gezielt zu steuern. Sie zeigt, dass ein Bild nicht nur aus seiner äußeren Form besteht, sondern auch aus dem, was es vermittelt und dem, was es beim Betrachter auslöst.
Wer die drei Gestaltungsebenen bewusst nutzt, schafft Bilder, die klarer kommunizieren, stärker wirken und mehr erzählen als reine Schnappschüsse.
Du möchtest informiert werden, sobald wieder ein neuer Blogbeitrag online ist?
Dann lade ich dich ein, Teil meiner Newsletter-Community zu werden.
Diese Inhalte könnten dich auch interessieren:
Hallo, ich bin Alexandra!
Ich bin Bilderlieferantin und leidenschaftliche Fotokünstlerin und konzipiere mit meinen Bildmotiven Freudenbringer, die das Leben bunter machen – wie z. B. Wandbilder, Büchlein, Karten, Kalender. Außerdem gebe ich in meinen Lebenslust-Impulsen Erfahrungswerte in Sachen Fotografie, Kunst und Kreativität aus über 30 Jahren weiter.
Ich bin ein Papierfan, liebe die Natur in allen Facetten und verbringe meine Zeit am Liebsten mit dem Ausprobieren neuer Rezepte, anregender Lektüre, im Garten oder mit kreativen oder lustigen Menschen. Meine Entdeckernatur verlangt danach, dass ich gerne neue Landstriche kennenlerne. Die müssen aber gar nicht weit weg sein.
Mein Angebot:
Als Natur- und Landschaftsfotografin unterstütze ich naturliebende Menschen und Betriebe dabei, ihre
Verbundenheit zur Natur visuell zu verdeutlichen: in Form von Printprodukten und Bildlizenzen aus den Bereichen Natur, Landschaft, Land- und Gartenleben. Und
ich fotografiere gerne Gärten und Bauernhöfe.
