Ligurien abseits der Cinque Terre: Imperia und das Hinterland

Ligurien – das ist nicht nur die allseits bekannte italienische Cinque Terre östlich von Genua, sondern auch das Küstengebiet, das sich westlich davon bis zur französischen Grenze erstreckt: die sogenannte Blumenriviera. 40 Kilometer vor San Remo liegt Imperia. Zauberhaft, authentisch und mit seiner wundervollen Altstadt „Parasio“. Dahinter befindet sich eine romantische Landschaft aus Tälern und Hügeln, pastellfarbenen Dörfern und grüner Wildnis.

 

Was diesen Abschnitt Liguriens so reizvoll macht, ist sein Mix aus zwei verschiedenen Welten. An der Küste genießt man pulsierendes Stadt- oder Dorftreiben. Im Hinterland glaubt man sich weit weg vom urbanen Leben zu befinden und taucht ein in eine Region voll Stille und Beschaulichkeit.

Die Stadt Imperia ist ein Zusammenschluss zweier Orte: zum einen ist da die Altstadt, die einen Hügel emporklettert (Porto Maurizio), zum anderen gibt es in rund zwei Kilometern Entfernung den geschäftigeren Ortsteil (Oneglia), in dem sich Arkadengänge mit modernen Shops befinden sowie auch Restaurants und eine Fußgängerzone.

 

Die Altstadt ist ein Gassen- und Straßengewirr, Treppen durchziehen den Kern und die Hauptdurchzugsstraße ist schnell einmal verkehrsverstopft. Hoch oben befindet sich der imposante Dom, am Rande der mit Patina überzogenen Altstadt. Imperia hat einen schönen Jachthafen, an dessen Promenade sich einige Cafés und Restaurants befinden. Gleich daneben befindet sich ein öffentlich zugänglicher Strandabschnitt. Geschäfte gibt es im Herzen der Altstadt kaum, nur am Fuße und im Mittelteil, z. B. in der Via Cascone.

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Eintauchen in das Stadtflair von Imperia

Vorweg sei gesagt: Autofahren und Parken sind kein Zuckerschlecken. Am besten hält man für einen längeren Aufenthalt Ausschau nach einer Unterkunft mit Parkplatz – bei mir hat das schon zweimal geklappt. Wer einen Tagesausflug nach Imperia plant, parkt am besten kostenpflichtig in Hafennähe, am großen Parkplatz beim Dom oder im nach Westen liegenden Ortsteil am Küstenufer. Gutes Schuhwerk und etwas Kondition beim Durchstreifen der Stadt nach oben und unten sind von Vorteil.

 

Schöne Plätze am Meer sind der Hafen mit einem kleinen roten Leuchtturm, der westliche Ortsteil Borgo Foce, der Strand und die gesamte Spazierpromenade. Vor einigen Jahren wurde auch ein Radweg errichtet, auf dem man einen Großteil der Küste erkunden kann und der mehrere Orte miteinander verbindet.

 

Das meiste Flair versprüht die Altstadt im oberen Drittel mit schmalen Gassen, alten Kirchen, großen patinierten Gebäuden, Arkadengängen und  Aussichtspunkten. Den besten Blick auf Imperia hat man vom Monte Calvario aus, den ich erst im Zuge meines zweiten Aufenthalts entdeckt habe. Besonders abends und nachts verzaubern einen die Lichter und Farben der Stadt. Wir haben dort am Hügel ein privat vermietetes Appartement bezogen und acht Tage die wunderbare Sicht genossen.

 

Für Hungrige gebe ich drei Empfehlungen ab: Köstliche Pizzen werden im „Porto Vecchio“ mitten in der Altstadt serviert, Meeresküche gibt‘s im Ristorante Nero di Seppia im Borgo Foce und von allem ein bisschen in der Pizzeria Hobo’s in Hafennähe.

 

 

Das Hinterland: Gelber Ginster, hügelige Weite, abgelegene Dörfer

Wer dann genug hat vom Straßenpflaster und dem Stadttreiben sollte Ausflüge ins Hinterland einplanen oder sich eventuell gleich dort für einen Aufenthalt niederlassen. Bereits nach zwanzig Minuten Autofahrt findet man sich in einer völlig anderen Welt wieder. Viele Auswanderer oder Langzeiturlauber haben hier schon ihr Ruhedomizil gefunden.

 

 

Hier, oberhalb des Meeres, regiert die Natur. Gelber Ginster, Bachläufe, üppiges Grün und Dörfer auf Hängen und Bergrücken prägen das Landschaftsbild. Kurvige Straßen und manchmal auch große Distanzen zwischen zwei Dörfern sind keine Seltenheit. Der Lohn dafür: Ursprünglichkeit, alte Ortskerne, Weite und Stille. Einen Fuchs in freier Wildbahn habe ich noch nie gesehen – bis ich in dieses Hügelland vordrang.

 

Gutes Kartenmaterial (trotz Navi), Jacke und Proviant sollten mit ins Auto oder aufs Motorrad. Die Wege dauern manchmal länger als vermutet und nicht immer findet man ein Lokal, das gerade offen hat. Außerdem kann das Wetter, besonders in der Vor- und Nachsaison, oft sehr schnell umschlagen. Für einen typischen Mittagstisch (pranzo lavoro) empfehle ich im Hinterland das „La Tavernaccia“ in Chiusavecchia mit angeschlossenem kleinen Bioladen. Es gibt keine Karte, aber bis zu drei günstige Menüs zur Auswahl – und die sind köstlich!

 

Dolcedo ist ein Ort mit bunten Häusern und eignet sich für einen Spaziergang oder einen Caffé am Platz. Am Ortsrand kann man auch der ansässigen Ölmühle einen Besuch abstatten und verschiedenste Olivenölprodukte einkaufen. Dieser Teil Liguriens ist bekannt für den Anbau der Taggiasca-Olive, die als besonders mild gilt.

Fährt man nun weiter gegen Norden sollte man einen Abstecher nach Valloria wagen. Die meisten der alten Häuser stehen leer und so hat sich die Gemeinde eine besondere Aktion einfallen lassen. Viele Haustüren wurden von Künstlern mit Motiven verschiedenster Stilrichtungen bemalt. Es macht Spaß herum zu flanieren und das kleine Freilichtmuseum zu erkunden.

 

Fährt man erst weiter westlich entlang der Küste und dann in den Norden sind Badalucco und Triora einen Rundgang wert. Triora liegt bereits auf 800 Metern und hat eine dunkle Vergangenheit rund um Hexerei. Dunkle Gassen und die mittelalterliche Bauweise unterstreichen die Mystik des Ortes.

Oberhalb und kurz vor San Remo findet man eine Kirchenruine, in dessen zugehörigem Ort sich auch einige Künstler niedergelassen haben. Es ist Bussana Vecchia. Ein Erdbeben zerstörte die Kirche 1887, die Überlebenden errichteten einige Kilometer davor einen neuen Ort: Bussana. Der alte Ortsteil ist überschaubar, aber einen kurzen Rundgang wert.

Noch weiter westlich empfehle ich Apricale und Dolceaqua mit seiner markanten Flussbrücke.

Wer durch diese Landschaft fährt, fühlt sich immer wieder einmal bemüßigt anzuhalten, die frische Luft einzuatmen und in die grüne Weite zu schauen. Auch Wanderungen bieten sich an. Dazwischen fügen sich kleine Farbtupfer von Dörfern und blühenden Sträuchern. 

 

Buon viaggio! Gute Reise! 

Dieser Artikel erschien auch in der April-Ausgabe 2018

des Magazins "Lust auf Italien",

wo ich als Gastautorin ausgewählt wurde. 

 

www.lustauf.de

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